Propaganda. Die Kunst, echte Dinge falsch zu zeigen.

Zu offensichtlich zu lügen, währe schlechte Propaganda. Gute Propaganda ist es, die Realität medial so zu verkürzen, dass der Ausschnitt der Realität dem entspricht, was im Dienste einer Sache erzählt werden soll. Ein Beispiel: Menschen zu „Nazis“ zu erklären.

„Frau vom Ordnungsamt Bitburg zeigt Hitlergruss.“

Die Sache scheint eindeutig. Schwarz gekleidet, Kurzhaarschnitt, den rechten Arm nach oben gestreckt, dazu eine grüne Mappe unter dem Arm. Macht sich hier etwa eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes Bitburg mit der nationalsozialistischen Ideologie gemeint? Wenn wir das Bild sehen, könnte man fast den Eindruck gewinnen.

Die Erklärung ist eine ganz andere: Das Bild zeigt eine Frau, die möchte, dass Menschen auf einer Demonstration gegen Grundrechtseinschränkungen die „Abstände einhalten“.

Vielleicht denkt der ein oder andere jetzt „das ist ja gemein. Man kann doch Menschen nicht so darstellen“. Stimmt. Aber genau das wird gemacht. Verunglimpfung und Diffamierung Andersdenkender ist ein Werkzeug von Geheimdiensten, die im Auftrag von Staaten arbeiten. Das Ziel ist immer dasselbe: Oppositionsbewegungen in ein schlechtes Licht zu rücken. Propaganda und die Verzerrung der Realität ist dabei das repressive Mittel autoritärer Staaten.

In sozialen Medien haben Propagandisten neue Werkzeuge an die Hand bekommen. Es war noch nie so einfach für Staaten, Lügen über regierungskritische Menschen oder Regimegegner zu verbreiten. Einen geeigneten Ausschnitt, der geeignet ist, die Realität im Sinne von Staatspropaganda zu verbiegen, in sozialen Medien zu verbreiten geht ziemlich einfach. Geteilt wird Propaganda schnell. Die Vervielfältigung der Halb- und Unwahrheiten übernehmen Menschen, die sich damit die Zugehörigkeit zu ihren ideologischen Identitäten sichern.

Es kann nicht deutlich genug gesagt werden, dass wir uns gegen Propaganda immun machen müssen, um die Welt zu begreifen, wie sie ist. Medienkompetenz ist ein wichtiger Baustein dafür. Damit kann jeder Mensch anfangen und sich folgende Frage stellen: „Stimmt das denn, was über Menschen erzählt wird?“. Das ist die Ausgangsfrage, aus denen sich weitere Fragen ableiten.

Fragen sind:

  • Stimmt das, was über Menschen erzählt wird?
  • Wer hat warum ein Interesse daran, dass über Menschen bestimmte Dinge erzählt werden?
  • Wer bezahlt dafür, dass über Menschen Geschichten erzählt werden?
  • Wer könnte ein Interesse daran haben, dass über Menschen das Falsche erzählt wird?
  • Was für eine Motivation könnte es geben, Menschen in ein gewisses Licht zu rücken?
  • Welche Akteure sind es, die bereit wären, auch Lügen über Menschen zu erzählen?
  • Was könnte es für Gründe geben, Lügen über Menschen zu verbreiten?
  • Welche Herrschaftsverhältnisse sollen mit einer Verzerrung der Realität stabilisiert werden?
  • Was ist daran seltsam, wenn Dinge über Menschen erzählt werden, diese aber nicht selber zu Wort kommen?
  • Was ist daran eine Manipulation, wenn Menschen zwar zu Wort kommen dürfen, aber nur – hier wiederholt sich die Methode – Ausschnitte der Worte verwendet werden, die geeignet sind, das propagandistische Narrativ zu unterstreichen?
  • Welche Rolle spielt die Rahmensetzung (Framing), innerhalb etwas über Menschen erzählt wird?
  • usw.

Um zur wichtigsten Frage zurück zu kommen: „Stimmt das denn, was über Menschen erzählt wird?“ Wie können wir es herausbekommen?

Die Antwort auf diese Frage ist so banal, wie wirkungsvoll: Entzieht Euch der Hetze. Wenn Menschen über Menschen reden und diese in ein schlechtes Licht rücken, dann erkennt, dass diese Menschen nichts Gutes im Schilde führen. Wer propagandistisch hetzt, manipuliert auch diejenigen, die ihm folgen. Und jemand, dem es darum geht, Menschen in ein schlechtes Licht zu rücken, der kennt auch keine Skrupel, es bei seinen Unterstützern ganz genauso zu tun.

Und was das wichtigste ist: Redet nicht über Menschen, sondern mit ihnen. Fragt nach, wenn ihr etwas nicht versteht und hört zu. Sprecht, hört hin, kommuniziert.

Propaganda 06: Die Kraft der Grafiken

Auch Schaubilder eignen sich ziemlich gut, um Propaganda zu betreiben. Das wichtigste ist, Dinge in einen Zusammenhang zu stellen, in den sie eigentlich nicht gehören. Dazu ein Beispiel:

Die Zeitung Katapult mit Sitz in Greifswald veröffentlich ja gerne Zahlen in Grafiken aufbereitet. In Sozialen Medien verbreiten sie nun eine Grafik zu Intensivbetten in Deutschland. Das ist diese hier:

Keine Fotobeschreibung verfügbar.
Quelle: Katapult, facebook 18.04.2020

Darüber schreiben sie dann folgenden Text:

In Deutschland ist die Anzahl der belegten Intensivbetten in den letzten drei Tagen von 12.783 auf 16.370 gestiegen
Trotzdem gibt es derzeit mehr freie Intensivbetten als vor drei Tagen, weil auch die Gesamtzahl der gemeldeten Intensivbetten zugenommen hat: von 22.271 auf 27.974. 
Wegen COVID-19 liegen heute 117 Menschen mehr auf einer Intensivstation als vor drei Tagen. Die Gesamtzahl ist von 2.555 auf 2.672 gestiegen.
Die Corona-Sterberate ist in deutschen Krankenhäuser unter anderem auch deshalb niedriger als in anderen Ländern (wie beispielsweise Italien und USA), weil es bisher keine Überlastung des gesamten Intensivpflegesystems gegeben hat. 
Die Grafik verdeutlicht zudem, warum Länder wie Mecklenburg-Vorpommern besonders vorsichtig reagiert haben. Die Infrastruktur ist insgesamt kleiner und schnell überlastet.

Sie schreiben also nun, dass die Zahl der Intensivbetten, in denen Covid-19-Fälle liegen, gestiegen seien von 2.555 auf 2.672. Für die Zeitung ist das der Grund, warum man „vorsichtig“ reagieren müsse und schliessen ihren Text mit „schnell überlastet“.

Schauen wir genauer hin. Wir würde denn die Grafik aussehen, wenn Katapult in die Grafik auch die Intensivbetten eingezeichnet hätte, die mit Covid-19-Patienten belegt sind*? Sagen wir mal so: Anders.

Quelle: Katapult, facebook 18.04.2020 mit Ergänzungen durch uns

Die roten Balken zeigen den Anteil der Covid-19-Belegung, ausgehend der Quelle https://www.intensivregister.de/#/intensivregister. Auf diese Zahlen hat sich auch Katapult bezogen. Aber in ihrer Grafik haben sie dann die wichtigen Balken weggelassen.

*Stand 14:00, mit Abweichungen zu 9:00.


Propaganda 05: Nun auch die Tagesschau

Was ist Propaganda?

Es gibt diese Meldung aus Südkorea:

Quelle: https://www.channelnewsasia.com/

Was die Tagesschau schreibt, stimmt also.

Warum ist es dennoch Propaganda?

Die Taggesschau beabsichtigt Angst zu schüren. Es gibt 91 von 7000 Fälle in Südkorea, das sind 1,3%, bei denen festgestellt wurde, dass sie infiziert sind, obwohl sie eigentlich als genesen galten.

Die Tagesschau hätte also auch Posten können:

Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/who-neuinfektionen-corona-101.html

Hat sie aber nicht, denn das ist ja nicht so dramatisch, wie die Angst zu schüren, man könnte doch nicht gegen COVID-19 immun werden.

Angst schüren bringt Klicks und Klicks bringen Geld und Einfluss.

Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/who-neuinfektionen-corona-101.html

Dass die Zahlen fragwürdig sind, erfährt man, wenn man gaaaaanz weit nach unten scrollt. So weit lesen viele Menschen garnicht.

Noch weiter unten wird das Ganz wieder in Frage gestellt, diesmal durch einen grauen Kasten hervorgehoben, falls doch jemand so weit liest.

Wer also erst mal aufatmet bei der Textstelle wo der erste rote Pfeil hinweist, der wird nochmals verängstigt durch den letzten grauen Kasten, zweiter roter Pfeil

Die eigentliche Nachricht aber ist:

Es gibt keine Nachricht! Da wir nicht wissen, ob es sich nur um Messfehler handelt oder ob wundersamer Weise weltweit nur in Korea Menschen das zweite Mal erkranken…

Nimmt man die Zahl der gesundeten weltweit und die Zahl der vermeintlich Neuerkrankten, die auch auf Grund eines Messfehlers zu Stande kommen können, dann sind von weltweit 411.415 Gesundeten (Stand 12.04., 13:17) 91 wiedererkrankt, das sind dann 0,02%. Selbst wenn es also stimmen würde, betrüge aktuell die Wahrscheinlichkeit nochmals zu erkranken 0,02%.

Wo ist die gute alte Tagesschau hin?

Quellenagaben:

Die jeweiligen Quellen sind unter den Screenshots vermerkt, jeweils abgerufen am 12.04.2020, 13:17 Uhr.

Der Screenshot des Focus ist aus dieser Quelle: https://www.focus.de/gesundheit/news/aerzte-in-suedkorea-schlagen-alarm-coronavirus-neue-studie-liefert-beunruhigende-erkenntnisse-reaktivierung-moeglich_id_11870900.html

Smiley und Fake-Schriftzug: Pixabay

Propaganda 04: Die 1000 Marokkaner aus Köln schlagen wieder zu!

Text-Bild-Kombie wirkt immer.

Man kann durch die Verbindung von Text und Bild einen völlig falschen Eindruck hinterlassen. Wer liest schon das Kleingedruckte! Shame on you, Tagesspiegel!

Schlimmer noch der Focus, doch von dem sind wir ja nichts anderes gewohnt, ist es doch so etwas, wie die Bildzeitung mit mehr Farbe und mehr Lüge:

Eigentlich wollte ich keinen Blog betreiben um Fakes zu enttarnen, aber ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Texte.

Ich zeigte ja schon an anderer Stelle, welche Wirkungen man durch die Verwendung von Überschriften zusammen mit Bildern erzeugen kann. Am besten fügt man noch Links ein und beruft sich auf die New York Times. Wirds dadurch wahrer?

Der Text vom Focus unterscheidet sich deutlich von dem des Tagesspiegels. Während der Tagesspiegel nur einen Zusammenhang eher suggeriert, wobei er das Wort „jetzt“ verwendet, stellt ihn der Focus eindeutig her.

Zu den Fakten:

New York hat etwa 8,4 Millionen Einwohner. Dadurch müssten statistisch jedes Jahr etwa 120.000 Menschen sterben, also etwa 10.000 pro Monat.

Die Pandemie brach im Dezember aus. Rechnen wir also in New York ab 10. Januar bis 10. April. Aufsummiert sind es, laut Focus und Tagesspiegel, bislang 5200 Tote. Das macht pro Monat 1733 Tote.

Ok, soweit mal zu den Zahlen.

Nun zu Hart Island:

Diese Insel ist, wie der Tagesspiegel richtig schreibt, das Armengrab New Yorks. Hier werden alle begraben, deren Familien nicht existieren oder die sich kein richtiges Grab leisten können.

New York hat sehr sehr viele Obdachlose und sehr sehr viele Menschen ohne Krankenversicherung.

Nimmt man einmal an, diese vielen zusätzlichen Toten, die in dem Video/Bild offensichtlich anonym beerdigt werden (denn nachträglich kann man dabei ja nicht mehr feststellen, wer in welchem Sarg liegt), dann sind diese Särge mit 100%iger Wahrscheinlichkeit arme Menschen. Es ist ein Massengrab der Armut.

Was schreibt denn die New York Times?

„It is unclear if those recently increased burials include those who have died from the coronavirus, or if they are people who passed away before the pandemic and were being moved from morgues to create space for the newly dead.“1

Übersetzen wir das mal:

„Es ist unklar, ob zu diesen kürzlich vermehrten Bestattungen diejenigen gehören, die an dem Coronavirus gestorben sind, oder ob es sich um Menschen handelt, die vor der Pandemie verstorben sind und aus Leichenschauhäusern verlegt wurden, um Platz für die neu Verstorbenen zu schaffen.“

Englisch ist eine echt schwierige Sprache. Vielleicht mal den Google-Übersetzer verwenden????

Wie wird in den Texten manipuliert?

Zunächst einmal wird so getan, als wolle man dies in New York vertuschen. Dafür verwendet man das Wort „Drohne“. Dies soll andeuten, dass dies jemand heimlich filmte und nun etwas ans Tageslicht kommt, das die Politik verhindern möchte. Man bedient sich also Verschwörungstheorien. Dass „die da oben“ etwas verheimlichen wollen „um etwas zu verharmlosen“ oder „um uns keine Angst zu machen“, funktioniert fast immer.

Bilder, noch dazu von Särgen und dazu die Überschrift oder Bildunterschrift „Corona“ bringt zwei Dinge zueinander, die nicht zusammengehören. man schafft die Illusion, das Bild würde das aussagen, was in der Überschrift steht.

Zusätzlich zitiert man den New Yorker Bürgermeister, um das Ganze glaubhafter zu machen und erwähnt die New York Times. So zitiert der erwähnte Focus: „‚Wenn wir zwischenzeitlich die Menschen beerdigen müssen, bis die Krise überstanden ist, und danach mit jeder Familie die eigentliche Beerdigung besprechen, so haben wir hiermit die Möglichkeit, das zu tun‘, sagte New Yorker Bürgermeister Bill De Blasio.“

De Blasio spricht von „der Möglichkeit“, also von etwas, das in der Zukunft liegt. Leider habe ich das Zitat im Originalartikel, den man hier (mit kostenloser Anmeldung) finden kann, nicht gefunden.

Was man auch im Originalartikel finden kann:

An analysis by The New York Times found that during the 31 days ending April 4, deaths in New York City were more than double the normal total.“

Es sind also mehr als doppelt so viele gestorben. Das Zitat in den Fake-News-Seiten, man würde nun statt 25 in der Woche, statt bisher 25 am Tag beerdigen, soll die 5fache Todesrate ausdrücken. Also deutlich übertrieben. Ärgerlich ist vor allem, dass sie Informationen aus dem New York Times Artikel absichtlich weglassen und ihn mit Zitaten schmücken, um die Meldung dramatischer wirken zu lassen.

Weitere Fake-News-Seiten:

Quelle: https://www.stern.de/gesundheit/new-york–drohnenvideo-soll-massengraeber-von-coronavirus-opfern-zeigen-9218442.html
Quelle: https://www.bild.de/news/ausland/news-ausland/coronavirus-massen-beerdigungen-auf-new-yorker-insel-gestartet-69966206.bild.html
Quelle: https://www.welt.de/politik/ausland/video207182645/Corona-in-den-USA-Drohnenaufnahmen-zeigen-Massengraeber-auf-Insel-vor-New-York.html
Quelle: https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/coronakrise-in-new-york-drohnenaufnahmen-zeigen-massengrab-auf-hart-island-a-40fee094-58b1-4eab-8925-9f82e0ff9c23
Quelle: https://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Drohnenvideo-zeigt-Bestattung-in-Massengrab-article21707121.html
Quelle: https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_87686578/corona-in-new-york-drohnenvideo-zeigt-massengrab-auf-insel-hart-island.html

Quellenangaben

“Number of Virus Patients in I.C.U.s Starts to Fall in New York.” The New York Times, April 10, 2020, sec. New York. https://www.nytimes.com/2020/04/10/nyregion/coronavirus-new-york-update.html.
Online, FOCUS. “Tausende Tote in New York: Drohnenaufnahmen zeigen Massengrab - Video.” FOCUS Online. Accessed April 12, 2020. https://www.focus.de/politik/ausland/.
Kilgannon, Corey. “As Morgues Fill, N.Y.C. to Bury Some Virus Victims in Potter’s Field.” The New York Times, April 10, 2020, sec. New York. https://www.nytimes.com/2020/04/10/nyregion/coronavirus-deaths-hart-island-burial.html.

Restliche Bildquellen: Siehe Link unter den Bildschirmfotos

Bild oben: Tagesspiegel (https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/coronavirus-epidemie-in-den-usa-arbeiter-heben-massengrab-auf-new-yorker-insel-aus/25733992.html)

Fußnoten

1Corey Kilgannon, „As Morgues Fill, N.Y.C. to Bury Some Virus Victims in Potter’s Field“, The New York Times, 10. April 2020, Abschn. New York, https://www.nytimes.com/2020/04/10/nyregion/coronavirus-deaths-hart-island-burial.html.

Propaganda 03: Bescheißen mit Grafiken

Schön schwör, dö Wössenschöft

Zoomen wir mal die Grafik näher heran:

Jetzt wirds peinlich, Herr Wagner 😉

Wir sehen rötlich die Anzahl der Infizierten ohne Maßnahmen und bläulich die angenommene Anzahl der Infizierten mit Maßnahmen.

Dann sehen wir gestrichelt eine Linie, die die Auslastung des Gesundheitssystems zeigen soll.

Eine Frage, Herr Wagner: Wer muss ins Krankenhaus, wer infiziert ist, oder wer erkrankt ist?

Wer erkrankt ist, ist die richtige Antwort – vorerst. Da Junge Leute nur zu 2% erkranken, erkranken nur etwa 80% der infizierten Menschen tatsächlich an Corona.

Nimmt man nur die Erkrankten (blau), dann würde also so die Kurve aussehen.

Nun benötigen jedoch nicht alle Erkrankten ein Krankenhausbett. Von der Erkrankten benötigen maximal 20% (eher 5, aber wir rechnen mal mit 20%) ein Krankenhausbett. Bei den Restlichen verläuft es eher mild. Sie können auch einfach nur zu Hause bleiben.

Die Zahl derjenigen, die von den Infizierten tatsächlich ein Krankenhausbett benötigen würde also etwa so aussehen (grün):

Nach der Grafik von Herrn Wagner haben wir also selbst dann noch viele freie Betten, wenn wir gar keine Maßnahmen ergreifen. Wir könnten sogar noch Erkrankte aus anderen Ländern aufnehmen.

Was, das tun wir schon?

Ok, also haben wir freie Betten, aber wir sollen alle zu Hause bleiben weil wir sonst überlastet sind …

Bei so einer Logik, da muss ja so eine Grafik dabei herauskommen.

Quelle: https://www.mdr.de/wissen/corona-virus-kann-offenbar-auch-gehirn-angreifen100.html

Wusst ichs doch.

Fazit

Schaubilder sind bunt und sehen immer irgendwie logisch und wissenschaftlich aus.

Aber Schaubilder sind einfach nur Bilder. Jeder kann Striche zeichnen und sie bunt anmalen. Das beweist nichts.

Lasst euch nicht so verarschen!

Und denkt an die alte Regel aller Statistiker: Traut keiner Grafik, die ihr nicht selbst gefälscht habt!

(So nebenbei: Ich gebe übrigens auch Nachhilfe in Statistik. Falls es also mal jemand benötigt..)

Und Lieber Herr Wagner: Schon mal auf die Idee gekommen, einen Faktencheck zu machen? Hab gehört, das bringts. Da soll man selbst überprüfen können, ob der Stuss, den man verzapft, stimmt.

Bildnachweise

Bild oben: Bildschirmfoto der Anstalt, alles weitere ist als Angabe auf dem Foto selbst. Internetquelle: https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-vom-24-maerz-2020-100.html (zuletzt abgerufen: 11.04.2020)

Propaganda 02: Mit echten Bildern manipulieren

Was leider von ALLEN Medien gerne gemacht wird, ist, dass man Bilder zu Texten zeigt, die nicht zum Text gehören. Häufig erkennt man unter dem Bild (im Netz oder gedruckt) einen Hinweis, wie z.B. „getty images“ oder Ähnliches, manchmal, vor allem bei Filmen, erscheint „Archiv-Material“.

Behauptungen mit Bildern wirken immer glaubhafter, noch dazu mit nicht-manipulierten Bildern, also mit Originalaufnahmen.

Hier mal ein Beispiel, wie ein völlig gefakter Artikel aussehen könnte. Die Bilder sind alle Original-Bilder, doch durch neue Bildunterschriften und den Text erscheinen sie in einem neuen Zusammenhang.

Um den Text möglichst glaubwürdig erscheinen zu lassen, verweisen Links zu tatsächlichen Forderungen von Amnesty International.

Amnesty International:
Auch Gefangene in Folterlagern vor Corona schützen!

Berlin. Nachdem Bilder von Todesfällen im Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba veröffentlicht wurden (siehe oben), die Gefangene ohne Atemschutzmasken zeigen, gab es weltweite Proteste von Amnesty International. „Auch Gefangene in Folterlagern haben ein Recht auf einen Gesundheitsschutz“, so eine Sprecherin der Menschenrechtsorganisation. „Auch wenn sie als vermeintliche Terroristen inhaftiert wurden, ist ihre Schuld nicht erwiesen. Die USA muss alles in ihrer Macht stehende tun, um ihre Gesundheit zu gewährleisten.“ Amnesty International weist schon lange immer wieder auf die Situation im Gefangenenlager in Guantanamo hin.

Doch das waren nicht die einzigen Forderungen von Amnesty International. Weiterhin fordern sie eine genaue Überprüfung der Todesfälle in Guantanamo Bay. Dass diese ausschließlich auf den Corona-Virus zurückgehen, bezweifelt Amnesty International. Sie vermuten, dass grausame Foltertechniken ein Mitverursacher sein könnten. Deshalb fordern viele Aktivisten die Schließung Guantanamos und die Untersuchung der Fälle vor einem ordentlichen Gericht.

Inzwischen entschuldigte sich die US-Regierung bei Amnesty International. „Auch wir wollen nicht, dass unsere Gefangenen an einem einfachen Virus sterben“ versicherte ein Sprecher des Weißen Hauses. „Wir wollen Informationen zur Terrorbekämpfung. Wir können unsere Mitbürger nur schützen, wenn Terrorverdächtige überleben.“

Donald Trump ordnete daraufhin an, dass alle Gefangenen in Guantanamo Bay umgehend mit dem bestmöglichen Atemschutz ausgestattet werden.

Noch ein Beispiel, bei welchem der Text erstunken und erlogen ist:

Silvesternacht in Köln

Eines der besten Beispiele für Manipulation und Propaganda, war die, gegen Marokkaner in der berühmten Kölner Silvesternacht – und alle machten mit:

Doch auf den Bildern zur Silvesternacht waren keine „Nordafrikaner“ zu erkennen, dennoch wurden sie als „Beleg“ herangezogen. Oder seht ihr jemanden? Die Flagge rechts unten ist übrigens die Flagge Kurdistans.

Tatsächlich wurden in der besaglichen Nacht folgende Menschen von der Polizei überprüft, also deren Nationalität festgestellt:

Wie man leicht erkennen kann, waren es deutlich unter 1000 Marokkanern. Sie waren sogar nach den Algeriern die kleinste Gruppe. Daraufhin meldete der Spiegel:

Hasspostings

Interessant ist es, wenn man zwei Begriffe zusammenbringt, die ähnlich klingen, z.B. Koran und Corona. Dann stellt man eine Gesichtsvermummung in einen neuen Zusammenhang und erhält:

Oder hier, diesmal ein Originalbild:

Es wird gespielt mit den Worten „erschreckend“ und „Vielzahl“, doch nicht erklärt, was das sein soll. Zusätzlich sieht man Polizeitransporter im Hintergrund. Ist „Vielzahl“ 5 Straftaten, oder 100 oder 1000? Ab wann ist es erschreckend? So wird etwas behauptet, ohne es zu behaupten.

Curio: Erschreckende Migranten-Kriminalität ...

Lächerlich machen

Das macht am meisten Spaß. Man setzt eine Überschrift oder einen Slogan in einen neuen Zusammenhang. Ich mache das gerne, vertraue darauf, dass die Leserinnen und Leser den Witz darin erkennen, aber man kann es auch sehr manipulativ nutzen.

Die Neue Züricher Zeitung lobte, dass viele Menschen nun einen Atemschutz trügen, mit der Überschrift: „Der langsame Siegeszug der Gesichtsmaske ist ein Zeichen der Vernunft“. Es ist keine Gesichtsmaske, sondern ein Mundschutz. Darüber kann man sich wunderbar lustig machen:

Oder, völlig aus dem Zusammenhang gerissen: Die Forderung von Rechtsradikalen nach einem Verhüllungsverbot:

Die Texte, einschließlich der Bildunterschriften, sind in beiden Fällen Original.

Man kann es Satire nennen, man kann damit aber auch wunderbar Stimmung machen, jemanden ins Lächerliche ziehen, etc. Hier ist der Grad zwischen Witz und Propaganda schmal.

Nicht das ganze Bild zeigen

Folgende Grafik fand ich auf https://deutsche-mitte.de/sh/manipulation/

Das ist besonders bei Dokumentationen häufig ein Problem: Worauf wird die Kamera gehalten und worauf nicht. Auch im bösesten Krieg gibt es friedliche Felder.

Manipulieren mit Grafiken

Zwei Screenshots. Das wäre eigentlich ein eigenes Kapitel, aber aus aktuellem Anlass hier einmal zwei Grafiken:

Quelle: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/inland/corona-199~magnifier_pos-2.html

Und so sieht es auf der Seite der WHO aus (Stand 7.04.2020):

Quelle: https://who.sprinklr.com/

Welche Grafik wirkt dramatischer? Mit welcher kann man die aktuellen Maßnahmen besser rechtfertigen?

Propaganda 01: Wie man Propaganda betreibt

Folgende Bilder, wie auch das Titelbild (etwas überarbeitet von mir), stammen aus dem Heft 63, Sommer 2017 des Fluter, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung. das Originalheft kann hier heruntergeladen werden.

Warum wirkt Propaganda?

Menschen sind sehr sehr leichtgläubig. Sehen sie ein Bild und sagt man etwas dazu, glauben sie es meist.

Kommt man ihnen mit Wissenschaft und irgendwelchen Schaubildern, hat man schnell ihren Respekt und kann ihnen alles verkaufen. Das lässt sich u.a. auch mit dem Milgram Experiment erklären, aber nicht nur.

Menschen sind autoritätsgläubig. Sie glauben, Titel hätten etwas mit Wissen und Bildung zu tun. Hat man also den richtigen Titel, ist alles richtig, was man behauptet (aus der Sicht vieler Menschen).

Hinzu kommt – bei guter Propaganda – dass diese Behauptungen scheinbar von vielen geteilt werden (siehe Asch). Je mehr Menschen (scheinbar) einem Schwachsinn zustimmen, desto mehr wird er geglaubt.

Sobald man also die Medien kontrolliert, kann man Menschen fast alles als wahr verkaufen. Wenn es nur noch eine Meinung in den Medien gibt – z.B. die Maßnehmen bezogen auf Corona sind richtig – ist es schwierig zu widersprechen, auch, weil es schwierig ist, Gegenargumente zu finden. Nicht jeder Mensch weiß, wie man in Google sucht und wo.

Nun ein paar Regeln, frei nach „Fluter“

a: Alternativlosigkeit

Ja, das erleben wir gerade: Alternativlosigkeit. Dabei wissen wir doch alle, dass andere Länder es anders machen.

Doch: Sofort wird behauptet, sie machen es schlechter. Bei uns ist alles gut, woanders ist es schlimmer.

Dabei nimmt man immer die als Vergleich, die einen besonders gut aussehen lassen. In der Psychologie nennt man das den abwärtsgerichteten Vergleich.

b: Übertreibung

Der Coronavirus SARS-Cov-2 ist ganz schlimm und es werden ganz viele Menschen sterben, wenn wir nicht das oder das tun.

Die Möglichkeit, dass genau die gleichen Menschen sterben, wenn wir nichts tun, wird als „unwissenschaftlich“ oder mit anderen dämlichen Behauptungen zurückgewiesen. Wir wissen es aber nicht. Wir wissen nicht, wer gestorben wäre, wenn wir etwas nicht getan hätten.

Wenn ich sage: Weil ich heute nicht aus dem Haus ging, starben fünf Menschen in der Nachbarschaft nicht. Wenn also niemand starb, habe ich recht.

Und noch besser ist es, wenn man äußert, man befürchte 100.000 Tote, wenn man diese Maßnahmen nicht ergreife. Je absurder und größer, desto mehr Angst erzeugt eine Behauptung, desto eher folgt man ihr. Niemand traut sich dann mehr zu sagen: „Machen wir es anders!“, denn was ist, wenn der mensch recht hat und es 100.000 Tote gibt? Wer übernimmt dann die Verantwortung?

Also besser: Mitmachen, Verantwortung abgeben. Egal, wieviel Tote es gibt, ich bin nicht schuldig. Das funktionierte schon früher in Deutschland und bei Milgram, um nochmals darauf hinzuweisen.

c: Angst schüren – irgendetwas ist immer bedroht

Da erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

d: Die Scheinkorrelation:

Diese funktioniert immer: „Weil ihr alle zuhause bleibt, sterben weniger!“

Ja? Würden alte und kranke Menschen nun nicht sterben, wenn sie zuhause blieben – oder wären sie auch sonst gestorben?

Wenn man einen Zusammenhang wissenschaftlich nicht belegen kann, behauptet man ihn einfach.

Wissenschaftlich betrachtet kann man übrigens maximal 37,5% Todesfälle verhindern in einer Pandemie – interessiert aber nicht. Die Kleinigkeit lässt man weg.

Oder diese Grafik bei Lesch:

Hier wird ein Zusammenhang zwischen Maßnahmen und Sterberaten hergestellt. Es wird behauptet: Die Ausgangssperren in St. Louis hätten die Sterberaten gesenkt.

Man könnte auch sagen: In Philadelphia hats geregnet, in St. Louis schien die Sonne.

oder: In Philadelphia leben mehr Menschen pro Quadratmeter, als in St. Louis.

oder: Philadelphia hat mehr öffentliche Bäder als St. Louis.

Sagt man aber nicht, denn man möchte ja Ausgangssperren rechtfertigen.

Dabei vergisst man zu erwähnen: Sowohl Philadelphia als auch St. Louis verhängten umfassende Ausgangssperren. Würde man dieses Detail mit erwähnen, hätte man argumentative Probleme. Und: Die Anzahl der Toten ergibt sich aus den Flächeninhalten unter den Kurven, nicht aus den Spitzen. Vergisst man einfach, würde die Geschichte zerstören.

Das nennt man: Mit der Unwissenheit spielen. Wissenschaftliche Schaubilder sind vielen zu schwierig. Sie haben nie gelernt sie zu lesen. Sie freuen sich, wenn sie ihnen jemand erklärt. Und wenn man dann noch ein Wesen hat, wie aus einer Fernsehwerbung…

e: Den Gegner schlecht reden – nobody’s perfect

Es gibt einen sehr renommierten Arzt, der immer wieder warnt. Doch es ist falsch was er sagt, weil…
„Wodarg seine Thesen über „radikale Medien“ wie KenFM, Rubikon, Geolitico oder in einem Interview mit Eva Herman geäußert habe, ‚die regelmäßig mit Verschwörungstheorien, mit antidemokratischen sowie teils antisemitischen Vorurteilen arbeiten.'“ (Wikipedia)

Und auf was sich Die Anstalt stürzte: „1982/83 war Wodarg der Vorgesetzte des Hochstaplers Gert Postel, der sich als Psychiater ausgab und eine Stelle als stellvertretender Amtsarzt erhielt, diese aber nach wenigen Monaten wieder kündigte“

Wenn man die Argumente schon nicht aushebeln kann, dann findet man etwas anderes. Jeder Mensch hat eine Vergangenheit, jeder sprach vielleicht einmal mit dem Falschen oder traf einmal eine falsche Entscheidung. Irgendetwas lässt sich immer gegen jemanden verwenden, wenn man keine stichhaltigen Argumente findet.

Oderv man erfindet welche: Die Welt schreibt zu Wodarg: „Diese Behauptungen widersprechen den Erkenntnissen von Forschern weltweit.“

Nun wissen wir – hoffentlich ihr auch – dass es keine Forschungen gibt. Gerade das wird ja allgemein bemängelt, wie hier zum Beispiel. Also behauptet man einfach, es gäbe welche, nennt sie aber nicht, wie z.B. „Die Welt“. Diese Forschungen würden wir alle gerne kennen.

Wie auch immer: Irgendwas bleibt immer hängen und die Person wird unglaubwürdig.

f: Irgendwas bleibt immer haften

Schlussbetrachtung

Schaut genau hin. Glaubt nur den Untersuchungen, die ihr selbst gefälscht habt.

Es hilft nichts: Wir müssen unser Gehirn einschalten und mitdenken. Und wenn wir etwas nicht verstehen: Ignorieren oder so lange sich damit beschäftigen, bis man es versteht. Nicht alles glauben, tut ihr doch sonst auch nicht.

Es gibt interessante Untersuchungen zur Wahrnehmung von reellen Gefahren. Je weniger Menschen von Massenmedien beeinflusst werden, desto realistischer schätzen sie es ein. Medien wollen meist nur, dass man sie kauft oder anklickt – und das geht nur, wenn man Sensationen bringt, Ängste schürt, etc. Niemand zahlt für Realität. Deshalb werden uns auch immer nur Ausnahmesituationen gezeigt, oder Ereignisse, die künstlich hochgespielt werden.

Alles muss gefährlich sein, sensationell – doch in Wirklichkeit ist das Leben recht unspannend. Nur will das niemand sehen, hören oder lesen.

Literaturangaben

Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), ed. “Propaganda,” Fluter, 43, no. Sommer 2017 (2017). https://www.fluter.de/sites/default/files/magazines/pdf/fluter_heft_63_propaganda.pdf.
WELT. “Corona-Experte Christian Drosten Zerlegt Aussagen von Wodarg.” DIE WELT, March 19, 2020. https://www.welt.de/vermischtes/article206651673/Corona-Experte-Christian-Drosten-zerlegt-Aussagen-von-Wodarg.html.
“Pandemie H1N1 2009/10.” In Wikipedia, April 4, 2020. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pandemie_H1N1_2009/10&oldid=198471447.
“Wolfgang Wodarg.” In Wikipedia, April 2, 2020. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wolfgang_Wodarg&oldid=198402257.